Regino-Preis 2006 für beste Justizberichterstattung

Fünf Journalisten ausgezeichnet - Themen Recht und Justiz gewinnen in Medien weiter an Bedeutung

Mainz, 05. Februar 2007 – Fünf Journalisten erhielten in diesem Jahr den begehrten Regino-Preis für eine herausragende Justizberichterstattung. Verliehen wird die Auszeichnung von der Redaktion der Neuen Juristischen Wochenschrift (NJW) aus dem Verlag C.H.Beck gemeinsam mit dem Rechtsanwalt und Initiator des Preises, Wolfgang Ferner. Die Ehrung der Preisträger fand am vergangenen Freitag vor über 150 Medienvertretern und geladenen Gästen im Konferenzzentrum des Zweiten Deutschen Fernsehens (Foto) in Mainz-Lerchenberg statt. Der seit sieben Jahren verliehene Regino-Preis steht unter der Schirmherrschaft des rheinland-pfälzischen Justizministers Dr. Heinz Georg Bamberger. Ziel der Auszeichnung ist es, die besten Justizreportagen und Berichterstattungen mit rechtlichem Hintergrund aus den Bereichen Print, TV und Hörfunk gebührend zu würdigen. Bei einem sich erstmals an die Preisverleihung anschließenden Symposium diskutierten namhafte Juristen und Journalisten gemeinsam über das Thema „Pixel Balken Kürzel – Persönlichkeitsrecht und Medienfreiheit – Was darf die Presse?“

Helle Freude bei den Preisträgern: In der Kategorie „Hörfunk“ ging der diesjährige Regino-Preis 2006 an die Journalisten Dr. Horst Meier und Karin Beindorff vom Deutschlandfunk in Köln. In ihrem Beitrag „Feindstrafrecht“ weisen die Preisträger auf die Gefahren eines staatlichen Handelns hin, das rechtsuntreue Bürger zu Feinden erklärt - sog. Feindstrafrecht. „Bei Ermittlungen wegen des Verdachts terroristischer Straftaten darf es durch die Justizorgane keine Vorverurteilung geben“, mahnte der Koblenzer Rechtsanwalt Wolfgang Ferner in seiner Laudatio.

 

Mit dem Fernsehbeitrag „Familienbande – Der Mörder und sein Sohn“ aus der ARD-Reihe „Große Kriminalfälle“ überzeugten die TV-Journalisten Christel Schmidt und Dr. Georg M. Hafner vom Hessischen Rundfunk die Jury. Sie erhielten den für jeden Sieger mit Euro 750,-- dotierten Regino-Preis in der Kategorie „Fernsehen“. Ihr Beitrag rekonsturiert den Entführungs- und Mordfall Fiszmann aus dem Jahre 1996.

 

In der Kategorie „Print“ ging der Regino-Preis 2006 in diesem Jahr an den freien Journalisten Bernd Hauser aus der Agentur Zeitenspiegel. Mit der Reportage „Ein Volk sitzt zu Gericht“ schildert Hauser hautnah den Justizalltag der Laiengerichte in Ruanda. Diese sind seit Jahren damit beschäftigt, die zahlreichen Täter des Völkermordes von 1994 in dem afrikanischen Land abzuurteilen.

 

Einstimmige Entscheidungen in der Fachjury

 

„Die Beiträge stellen Personen und Hintergründe plakativ und einfühlsam dar, behalten aber den eigentlichen Fall im Zentrum“, begründete Professor Dr. Achim Schunder, Schriftleiter der Fachzeitschrift NJW, in seiner Festrede die Entscheidungen der Jury. Die Auswahl der Gewinner unter den rund 45 Einsendungen sei auch in diesem Jahr nicht leicht gefallen, so Schunder: „Die Themen Recht und Justiz gewinnen in den Medien zusehends an Bedeutung, und das mit einer erfreulicherweise steigenden Qualität. Das spiegelt sich natürlich auch in den uns übersandten Beiträgen wider. Dennoch votierte die Jury in allen Fällen einstimmig.“

 

Schunder stellt gemeinsam mit dem Koblenzer Strafverteidiger Wolfgang Ferner, dem Justizminister des Landes Rheinland-Pfalz, Dr. Heinz Georg Bamberger, der Leitenden Oberstaatsanwältin Hildegard Becker-Toussaint, Frankfurt am Main und dem Ressortleiter „Recht und Justiz“ des ZDF, Rechtsanwalt Bernhard Töpper aus Mainz, die Fachjury des Regino-Preises.

 

Justizminister: Konflikte zwischen Medienfreiheit und Persönlichkeitsrecht

Der rheinland-pfälzische Justizminister Dr. Heinz Georg Bamberger betonte in seiner Begrüßungsrede, dass es zu schweren Konfliktlagen kommen könne, wenn das Interesse der Öffentlichkeit und die Pressefreiheit auf die Persönlichkeitsrechte von Prozessbeteiligten träfen. „Die Abwägung, die hier stattfinden muss, darf nicht allein von den Gesetzen des Marktes dominiert werden“, so der Justizminister. Umso wichtiger sei es, Medienfreiheit und Persönlichkeitsrechte klar zu umreißen und die Rechtspositionen für die Praxis handhabbar zu machen. „Hier sehe ich eine wichtige Aufgabe der Rechtsprechung“, sagte Bamberger.

 

Unter dem Titel „Pixel Balken Kürzel - Persönlichkeitsrechte und Medienfreiheit - Was darf die Presse?“ diskutierten im Anschluss an die Regino-Preisverleihung Justizminister Bamberger, die Vizepräsidentin des Bundesgerichtshofes Dr. Gerda Müller, die Spiegel Justizberichterstatterin Gisela Friedrichsen, Prof. Dr. Matthias Prinz, Rechtsanwalt Gernot Lehr, der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der BILD-Zeitung Kay Sattelmair und ZDF-Resortleiter Bernhard Töpper.

 

Darum heißt der Preis „Regino“

 

Der Regino-Preis ist benannt nach dem strebsamen Rechtslehrer und Geschichtsschreiber „Regino von Prüm“, auch „Regino von Altrip“ (840 – 915 n.Chr.) genannt, der Ende des 9. Jahrhunderts als Abt im damals bedeutenden Kloster Prüm in der Eifel lebte. Weder Erfolg noch Niederlagen hielten den einfachen Mönch von seinem unermüdlichen Streben ab, sein Leben lang aufzuklären, zu dokumentieren und Erlebnisse niederzuschreiben. Die von Regino verfasste „Chronicon“ reicht bis ins Jahr 906 und ist für Historiker eine wichtige Quelle. Regino, ein Journalist des Mittelalters, dessen Wirken Gerichtsbericht­erstattern bis in die heutige Zeit ein gutes Vorbild sein sollte...

 

Herausragende Justizberichterstattung lohnt sich. Die glücklichen Gewinner des Regino-Preises 2006 mit einem Teil der renommierten Fachjury. Von links: Dr. Heinz Georg Bamberger (Justizminister Rheinland-Pfalz), Bernd Hauser (Agentur Zeitenspiegel), Dr. Georg M. Hafner (Hessischer Rundfunk), Prof. Dr. Achim Schunder (NJW-Schriftleiter), Christel Schmidt (Hessischer Rundfunk), Wolfgang Ferner (Rechtsanwalt), Karin Beindorff (Deutschlandfunk) und Dr. Horst Meier (Deutschlandfunk).

 

 

 

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